Im Herbst 2010 haben Mitglieder des Vereins "Samos Caves" eine bisher unbekannte Höhle in der Nähe von Kalithea erkundet und haben dabei sensationelle Entdeckungen gemacht. Wir zeigen die ersten Eindrücke und Fotos von Tobi Matthaiou.
Die Höhle wurde nach Markoulis, einem Einwohner von Kalithea benannt - er hatte die Forscher auf die Höhle aufmerksam gemacht. Dabei war der Eingang der Höhle den Dorfbewohnern schon seit langem bekannt.
Tobi Matthaiou, ein Einheimischer, war bei der ersten Erkundung dabei und lieferte uns neben den ersten Eindrücken atemberaubende Bilder:
"Bereits eine Woche zuvor hatte sich ein kleines Team von Forschern in den 65m tiefen Schacht abgeseilt. Sie haben außer dem Schacht selbst jedoch nichts gesehen - wie in einem Schornstein. Nichts besonderes.
Vor einigen Tagen ist Manoli, ein führender Leiter des Vereins, zusammen mit anderen Forschern erneut in das, wie ein unscheinbarer Gully wirkende, Loch hinabgestiegen. Schon tausendmal ist man vorbei gefahren oder gelaufen, doch erst jetzt erkannte man es. Ungefähr auf der Hälfte entdeckte man eine Art Balkon, eine Zwischenstation, von der aus es dann nicht nur tiefer herab geht, sonder auch hinein in einen kleinen unscheinbaren Tunnel. Dieser neue Tunnel war jedoch bisher, versteckt hinter einem kleinen Wandvorsprung, nicht sichtbar gewesen. Steckte man nur seinen Kopf hinein, so schien es wie eine Sackgasse. Einer der Forscher meinte direkt es ginge hier nicht weiter. Manoli aber wollte sich vergewissern und steckte ebenfalls seinen Kopf in den schmalen Gang, aber er spürte noch einen feinen Luftzug. Er schaute zu den anderen zurück und sagte, dass es doch noch weiter ginge, man müsse es nur anders angehen!
Man stelle sich nun einen Tunnel in Y-Form vor, wobei sich der Einstieg ganz oben links am Arm des Y befindet. Schaut man von dort aus herein, sieht man eine Sackgasse - ganz klar! Manoli meinte, es wäre ähnlich wie beim seitlichen Einparken eines Autos, zuerst die Füße rein, dann den Oberkörper, jetzt nach rechts weiter robben und dann heraus aus dem oberen rechten Teil des Y. Manoli war begeistert, er robbte und robbte es kam der erste Raum. Nach einem kleinen Anstieg befand er sich in einem Raum mit vielen Stalagnaten* (*Stalagmieten und Stalagtiten die zusammengewachsen sind), wie bei der Schlange am Security- Check am Flughafen schlängelte er sich im Zick-zack durch die Stalagnaten hindurch. Dann, nach einer gewissen Zeit gab er auf und rief seinen Freunden zu: "Ich denke nicht, dass es hier noch weiter geht!" Aber, aus der Stille kamen seine Worte wieder zurück "es noch weiter geht - es noch weiter geht - es noch weiter geht". Ein Echo! Manoli erschrak und blicke noch einmal tief in die Dunkelheit hinein, rückte seinen Helm und die Lampe zurecht und zog dann seinen Körper, wie aus einem Schlafsack, aus dem schmalen Gang heraus.
Er sah es - eine riesige Halle, über 30 Meter lang, 20 Meter breit und etwa 24 Meter hoch. Hier könnte man locker ein Fest mit 50 Leuten feiern. Mehrere Stalaktiten hängen von der Decke - die größte ist elf Meter lang! Die Höhle ist außergewöhnlich schön, denn es gibt keine einzige Wand- oder Bodenfläche, die nicht von Stalagmiten und Stalaktiten übersäht ist. Es existieren alle Arten von Formen, kleine, große, sehr große, dünnere, dicke und sehr dicke Stalagmiten, Stalaktiten und Stalagnaten. Überall, wo der Scheinwerfer hin leuchtet ist es faszinierend.
Eine Woche später
Nun trafen sich alle Höhlenforscher - Stamatis, Kosta, Maria, Tassos, Vageli und noch einige Freunde, die uns von außen verpflegten. Sie haben Essen und Trinken mitgebracht und sorgten für Strom, um mit Bau-Scheinwerfern die Höhle zu beleuchten. So konnten wir dort unten fotografieren und ein Video drehen.
Die erste Gruppe, die die 65m herabstieg, konnte Manolis Worten nicht glauben. Selbst Herr Markoulis glaube ihm nicht. Jetzt aber gingen wir alle gemeinsam in die Höhle und waren überwältig von ihrer Größe und Schönheit. Als wir wieder heraus kamen fehlten uns die Worte um zu beschreiben, was wir erlebt hatten. Da sah uns der kräftig gebaute, ältere Herr Markoulis an, der soweit an Tagen vorangeschritten ist, dass er kaum richtig laufen kann und zudem einen mächtigen "Bierbauch" mit sich trägt. Ja, er sah unsere Begeisterung und das Staunen in unseren Gesichtern. Ohne zu zögern sagte er zu Manolis: "Ist mir egal wie du das anstellst, aber BRING MICH DA RUNTER!"
Wir wussten sofort, dass dies ein sehr schwieriges, gar unmögliches, Unterfangen werden wird. Also versuchten wir ihn etwas aufzumuntern und haben beschlossen, wenn in Kalithea Ende Juli das Weinfest stattfindet, auf der Platia eine große Diashow und Videos von der Höhle zu zeigen. Kalithea kann sich freuen, dass nun in Zukunft etwas mehr Besucher kommen werden, mehre Höhlenforscher aus ganz Griechenland, wenn nicht aus der ganzen Welt!"
Es gilt jedoch, wie für jede Höhlenerkundung, dass unbedingt die passende Höhlenforscher-Ausrüstung und ausreichendes Fachwissen vorhanden sein muss, um eine solche Erkundung durchzuführen.
                                     
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