reisegezwitscher-samos
samos-studios

remezzo

samaina

animal-care

yes-autovermietung-samos

enexia

fola

kerkis

413.jpg
Buchtipp: Beim Griechen
Unser Buchtipp für die lange Samos-Abstinenz: "Beim Griechen". Es geht darin nicht um Samos; ist aber trotzdem ungemein spannend!

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde

Die Geschichte wäre eigentlich schnell erzählt. Eigentlich. Ein Gastarbeiter der ersten Generation verlässt seine für ihn vorgesehene Rolle und macht sich als Gastronom selbstständig. Christoforos Stefanidis eröffnet 1970 das erste griechische Restaurant in Karlsruhe wie andere Gastarbeiter aus anderen Nationen in anderen Städten auch. Die spießige Bundesrepublik wurde offener; zunächst zwar nur kulinarisch. Spaghetti, Pizza, Paella, Cevapcici und Gyros wurden bereitwillig in den deutschen Wortschatz aufgenommen. Das erste gelungene Integrationsmodell ging durch den Magen.

Sicherlich hätte jeder italienische, spanische oder jugoslawische Restaurantbesitzer dieser Jahre einiges zu erzählen. Christoforos Stefanidis aus Karlsruhe hat das Glück, dass sein jüngster Sohn Alexandros Journalist geworden ist – und dazu ein renommierter. In seinem Buch "Beim Griechen" verwebt er seine Familiengeschichte mit den Geschichten in und um diese griechische Taverne zu einem bunten und dichten Kouroulou – einem dieser wild gemixten griechischen Flickenteppiche. Darin finden sich bunte Einsprengsel von Zeit- und Mentalitätsgeschichte, von Parteigründungen, Politikerbesuchen - aber auch einfühlsame Beschreibungen von Freunden und Stammgästen. Das Buch folgt in einer atemberaubenden Zeitreise durch drei Jahrzehnte dem manchmal schwer zu verstehendem Verhaltens-Muster seines Hauptdarstellers und Tavernengründers Christoforos Stefanidis. Der Autor dokumentiert eine stolze und selbstbewusste Persönlichkeit, die keinem Gast nach dem Mund redet. Er lässt auch nicht die erotischen Irrungen und Wirrungen seines väterlichen Helden aus, die ebenso wenig ohne Folgen bleiben wie seine maßlose Spielsucht. Gerade in den Brüchen des tragisch-komischen Helden liegt eine der Stärken dieses spannenden und immer wieder überraschenden Buches.

Die eigentliche Stärke dieses Buches ist, dass es Stefanidis gelingt, seine eigene griechische Familiengeschichte im deutschen Kontext zu spiegeln – und mit diesem zu verweben. Damit belegt er klug und eindringlich, dass die bundesrepublikanische Sozialisationsgeschichte auch ein erfolgreiches und vor allem gelebtes und erlebtes Integrationsmodell war und ist. Viele der damaligen Gastarbeiter leben längst als unsere Mitbürger unter uns und haben ihre eigene Mentalität mit der deutschen angereichert. Und auch wir Deutschen sind lockerer geworden. Wir nennen unsere Kinder Niko und Jannis, parlieren italienisch oder spanisch – und der Latte-Macchiato-Müßiggang ist uns genauso zur Selbstverständlichkeit geworden wie das genussvolle Essen unter freiem Himmel. Denn Fremd ist der Fremde nur in der Fremde. Oder auch nicht.

Alexandros Stefanidis
Beim Griechen
Wie mein Vater in unserer Taverne Geschichte schrieb
Fischer Taschenbuch Verlag - 8,95 €

Nachfolgende Fotos von der Familie Stefanidis hat uns der Psychologe und Fotograf Regin Reuschel zur Verfügung gestellt. Alle Aufnahmen entstanden im zweiten Lokal, dem "Alexis Zorbas" 1981 und werden hier zum ersten Mal veröffentlicht.

002007010ChrisDerGriecheKarlsruheGreco-11Greco-13Greco-14Greco-18Greco-19Greco-22Greco-28MusikschuleGRECO-19

 
Mostly CloudyMostly Cloudy 18 oC
Humidity: 68%
Wind: S at 7 mph