| Von bewegten Dingen und bewegender Moral |
![]() Dieses Foto ist nicht schön. Es wurde nur mit einem Handy aufgenommen und hat trotzdem eine interessante Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die sich in Deutschland nie so zugetragen hätte. Eine Geschichte, die etwas über das Wesen eines Volkes erzählt. Über dessen Ehrlichkeit und dessen Achtung vor fremdem Eigentum. Gerade in Tagen, in denen man dieses kleine Volk mit moralischen Steinen bewirft. Nehmen wir einmal an, Sie leben in München und möchten Ihrem Freund in Hamburg ein Paket zu kommen lassen. Normalerweise würden Sie es zur Post tragen oder von einem privaten Paketdienst abholen lassen. Gehen wir einmal davon aus, dass Sie einmal eine andere Transportmöglichkeit ausprobieren. Sie tragen das Paket zum Münchner Hauptbahnhof, deponieren es in einem Abteil eines ICEs der geradewegs nach Hamburg fährt. Sie bitten noch schnell den Zugbegleiter das Paket in Hamburg auf den Bahnsteig zu stellen, an dem der ICE einlaufen wird. Nun rufen Sie Ihren Freund an der Elbe an und teilen ihm mit, wann und auf welchem Gleis sein Paket ankommen wird. Dummerweise kommt Ihrem Freund etwas dazwischen und er muss Hals über Kopf auf eine Geschäftsreise. Erst drei Stunden später kommt er zu dem verabredeten Gleis, um sein Paket abzuholen. Glauben Sie, dass es noch dort liegt? Vor kurzem verbrachten wir einige Ferientage auf der kleinen ostägäischen Insel Telendos (http://www.telendos.de). Sie liegt wie ein abgebrochener Fels fast in Rufnähe von Kalymnos. Man kann auf Telendos ganz entspannt Urlaub machen. Auf der kleinen Insel gibt es weder Autos noch Mopeds. Dafür gibt es frischen Fisch und immer eine erbauliche Parea. Aber etwas fehlt in den Tavernen dieses karstigen Eilands: Wein, guten und trinkbaren Wein! Dabei ist Samos doch gar nicht so weit entfernt, dachten wir. Vor unserer Reise riefen wir deshalb einen guten Freund auf Samos an und baten Ihn, uns etwas Wein und eine SIM-Karte fürs Handy nach Kalymnos zu schicken. Zwei - bis dreimal die Woche pendelt die kleine Autofähre "Nissos Kalymnos" zwischen Pythagorion und Pothia auf Kalymnos. Unser Freund verpackte 10 Liter des leckeren samiotischen Weißweins "Samena" und eine SIM-Karte in ein Paket, schrieb unseren Namen und die Zieladresse darauf und verfrachtete das Paket auf die offene Laderampe der kleinen Fähre. Dort macht er noch schnell ein Foto mit seinem iPhone, dass er uns umgehend mit den Ankunftsdaten des Schiffes via Mail sandte. Wer jemals das Vergnügen hatte auf griechischen Fähren zu reisen, kennt diese chaotischen und schmutzigen Koffer- und Gepäckbereiche im Bauch des Schiffes. In jedem Hafen, welche die Fähre auf dem Weg nach Kalymnos anläuft, ereignet sich immer der gleiche Tumult. Reisende flüchten, Koffer und Gepäckstücke schnappend, umhupt von LKWs die Fähre, während neue Passagiere das Schiff mit neuen Gepäckstücken stürmen. Unser kleines Paket wurde hin und her geschubst und bekam ständig wechselnde Nachbarschaft, bis es endlich den Hafen auf Kalymnos erreichte. Leider verzögerte sich auch unser Flug nach Kos wegen eines technischen Defektes um mehrere Stunden und wir erreichten nach dieser Verspätung nur mit Mühe und Not die letzte Fähre nach Kalymnos. Es begann schon zu dunkeln, als wir im Hafen der Inselhauptstadt einliefen. Unser Freund Manolis wartete schon mit seinem Taxi. Gott-sei-Dank lag auch noch die "Nissos Kalymnos" vor Anker. Und unser Paket lag etwas zerknautsch aber heile neben dem blauen, angerosteten Ölfass. Wie selbstverständlich gingen wir an Bord und trugen unseren Karton davon. Vielleicht sollte man ein Volk auch an dieser Qualität messen – und nicht nur an der fraglichen Moral seiner Politiker. |










